17. Januar 2020 | News

JUNGE MENSCHEN VERSTEHEN

Irgendwie klingt das ziemlich logisch, dass wir in der Jungen Generation mit „jungen Menschen“ unterwegs sind. Und damit könnte man auch aufhören darüber zu schreiben – ich schreibe weiter, weil ich ein Bewusstsein dafür schaffen möchte junge Menschen wahrzunehmen und nicht immer nur pauschal von Kindern und Jugendlichen zu reden.

Jesus Vertrauen lernen

Wir ReferentInnen in der Jungen Generation beschäftigen uns mit Kindern von 0 Jahren (z.B. im Eltern-Kind-Kreis) bis hin zu jungen Erwachsenen mit 25 Jahren (z.B. Gemeindeberatung zum Thema „Kreis-Junger-Erwachsener, Schulungen, usw.). Dabei sind wir natürlich in den meisten Fällen nicht direkt mit den jungen Menschen unterwegs, sondern mit den Mitarbeitenden aus den einzelnen Gemeinden. Wir sind sozusagen für junge Menschen unterwegs – unser Herz schlägt dafür, dass unsere Gemeinden ein Ort sind an dem junge Menschen Jesus Christus kennenlernen, lernen ihm zu vertrauen und sie einen Glauben entwickeln können, der auch in Krisenzeiten tragfähig ist und bleibt.

Auf dem Weg zum Erwachsenwerden durchlaufen junge Menschen viele verschiedene Entwicklungsaufgaben, die wir als Gemeinden positiv aber eben auch negativ beeinflussen können. Und ganz besonders können wir als Gemeinden die Entwicklung des Glaubens von jungen Menschen positiv aber eben auch negativ beeinflussen (vgl. Faix, Künkler – Warum ich nicht mehr glaube).

Einbruchstellen des glaubens

Besonders wichtig sind uns beim Thema Glaubensentwicklung in den letzten Jahren die sogenannten „Einbruchstellen des Glaubens“ geworden. Karl-Ernst Nipkow und Nina Rothenbusch beschreiben, dass Kinder zum Ende ihrer Grundschulzeit mit drei zentralen Einbruchstellen zu kämpfen haben:

1. Konflikt zwischen Glauben und (Natur-)Wissenschaften und die Beweisbarkeit des Glaubens,

2. Religionskritik bzw. Illusionsverdacht (Gott ist eine Erfindung der Menschen) und

3. Theodizeeproblematik.

Das alles sind berechtigte Fragen. Und gerade in dem Alter fangen Kinder an, das eigene Denken zu hinterfragen. Sie nehmen nicht mehr alles einfach so hin, sondern entscheiden sich in den verschiedenen Denkmodellen für das für sie individuell Passende. Das wirkt nach Außen eher wie eine kritische Grundhaltung, ist aber Ausdruck der größer werdenden Freiheit des Denkens. Im Idealfall kann sich daraus eine neue eigene Identität entwickeln, in der sich der Heranwachsende (auch Gott gegenüber) als aktives Subjekt empfindet. Die Fähigkeit, das eigene Denken kritisch zu reflektieren ist entscheidend für die Entstehung eines tragfähigen Erwachsenenglaubens.

Diese Einbruchstellen haben ihre Grundlage in den Lebenserfahrungen und den vielfältigen Lern- und Entwicklungsprozessen der Heranwachsenden. Der „Bruch“ mit dem Glauben erfolgt häufig, wie empirische Studien belegen, aus einer Stagnation der religiösen Entwicklung bei gleichzeitig deutlich zunehmender kognitiver Kompetenz und Weltverstehen.

Raum für Fragen

Für uns als Gemeinden stellt sich da die Frage, wie wir den Kindern und später auch den Jugendlichen – die diese Themen immer noch bewegen – begegnen. Haben wir Raum für ihre Fragen? Herrscht bei uns eine Atmosphäre, in der sich Kinder und Jugendliche trauen ihre ehrlichen Fragen zu stellen? Bereiten wir sie auf die Einbruchstellen vor? Fördern wir ein mehrdimensionales Denken? Und wir müssen uns ehrlich hinterfragen, in wie weit wir unseren Glauben authentisch leben? Haben z.B. Zweifel und Klage einen Platz in unseren Gottesdienst und im Gemeindealltag oder wird das hadern mit Gott immer auf den privaten Raum reduziert? Die Fragen, die sich rund um die Einbruchstellen ergeben, haben zum einen Auswirkungen auf unsere Angebote für Kinder und Jugendliche, sollten uns aber auch bewegen unseren gesamten Gemeindealltag zu reflektieren.

Außerdem wünsche ich mir, dass sich unsere Sicht auf junge Menschen immer mehr verändert. Kinder und Jugendliche sind nicht die Zukunft der Gemeinde, sondern sie sind bereits jetzt Teil der Gemeinde. Sie glauben auf ihre Art und je nach Alter und fordern uns damit aber heraus unseren Glauben zu hinterfragen und ehrlich zu werden. Sie sind von Gott begabt worden und dürfen hoffentlich in unseren Gemeinden ihre Begabungen und Fähigkeiten nicht erst mit Erreichen eines bestimmten Alters oder eines bestimmen Frömmigkeitsgrades einsetzen.

im gespräch bleiben

Um in all diesen und weiteren Fragen gemeinsam miteinander unterwegs zu sein ist es wichtig mit jungen Menschen im Gespräch zu sein (statt über sie, ihre Musik und die Smartphones zu meckern). Und es hilft sich zu informieren: Die „Shellstudie“, die „Sinus-Milieu-Studie“, „Generation Lobpreis“ oder auch „Warum wir nicht mehr Glauben“ von Faix und Künkler helfen junge Menschen zu verstehen und mit ihnen, statt über sie zu reden.

Schulungsangebote nutzen

Mit all diesen und noch mehr Fragen beschäftigen wir uns in der Jungen Generation vor allen Dingen auf unseren Schulungswochenenden (z.B. BASIX), beim Forum Kinder und bei DEUTSCHLAND WIRD JÜNGER, um die Mitarbeitenden in unseren Gemeinden zu befähigen „ihre“ Kinder und Jugendliche optimal zu begleiten und sie zu geistlichen Selbstversorgern zu machen. Deshalb schickt eure Mitarbeitenden zu unseren Veranstaltungen, ladet uns in eure Gemeinde ein und reflektiert als Gemeindeleitung warum wie eure Angebote für Kinder und Jugendliche gestaltet sind.