19. September 2019 | Freizeit

Freizeiten als Chance

Johannes Krupinski veranstaltet als Referent Teenager im Bund FeG Freizeiten und Schulungen für die junge Generation. Er nutzt diese Auszeiten als Chance, Menschen in besonderer Art und Weise zu prägen.

Als ich mich im Alter von 13 Jahren zum ersten Malallein in den Sommerurlaub getraut habe und auf eine Teenagerfreizeit gefahren bin, hat das mein Leben verändert. Während der Freizeit habe ich das erste Mal die bewusste Entscheidung getroffen, Jesus vertrauen zu wollen, und bin Christ geworden. Die logische Konsequenz war ein halbes Jahr später meine Taufe und die Mitarbeit im Kindergottesdienst.

FREIZEITEN SPRECHEN INS LEBEN HINEIN

In den darauffolgenden Jahren bin ich jeden Sommer wie selbstverständlich auf eine Freizeit gefahren. Jesus hat in den unterschiedlichsten Situationen durch Mitarbeitende und andere Erlebnisse in mein Leben hineingesprochen. Irgendwie schien es da logisch, irgendwann auch mal selbst als Mitarbeiter auf eine Freizeit mitzufahren. Die Motivation dazu ist und war immer, anderen das zu ermöglichen, was ich selbst erlebt habe. Und so fahre ich, seit ich 19 Jahre alt bin, als Mitarbeiter und später auch als Leiter mit auf Teen- und Jugendfreizeiten. Ich liebe Freizeiten! Ich liebe es, auf eine bestimmte Zeit –egal, ob es nur drei Tage sind oder zweieinhalb Wochen –eine Wegstrecke mit anderen Menschen unterwegs zu sein.

NEUE PERSPEKTIVEN ABSEITSDES ALLTAGS

Was löst diese Faszination bei mir aus? Eine Freizeit bietet ganz einfach andere Möglichkeiten als eine Gruppenstunde, für die man sich 1-2,5 Stunden in der Woche trifft. Der erste Grund dafür ist, dass man während einer Freizeit seinen Alltag hinter sich lässt. Ausnahmen sind sicherlich Wohnwochen, in denen man als Gruppe z. B. eine Zeit im Gemeindehaus übernachtet – aber fast alles, was für Freizeitengilt, gilt auch für Wohnwochen. Für eine Zeit rausgenommen aus dem Alltag werden viele Dinge unwichtig, die einen zu Hause tagtäglich umtreiben, und es geht in allererster Linie darum, Gemeinschaft mit den anderen Freizeitteilnehmenden zu haben. Dadurch ergibt sich dann aber häufig auch die Chance, das eigene Leben bzw. die eigene Lebenssituation zu reflektieren. Eine Freizeit ist häufig wie ein Drohnenflug – man kann wie mit einer Drohne auf das eigene Leben draufschauen.

INTENSIV IN EIN THEMA EINTAUCHEN

Außerdem hat man auf einer Freizeit die Chance, sich konzentriert und tiefgehend mit einem Thema zu beschäftigen. So haben wir z. B. in diesem Sommer den 1. Johannesbrief vom ersten bis zum letzten Vers durchgearbeitet. In 14 Tagen kann man dann die Bibeltexte auch im Zusammenhanglesen und so wahrnehmen, was die große Idee vom Autor gewesen ist, als er den Brief bzw. das Buch geschrieben hat. Aber auch Wochenendfreizeiten stehen meist unter einem Thema, das von vielen verschiedenen Seiten beleuchtet werden kann: Man kann tiefer graben als z. B. in der 25-Minuten-Predigt am Sonntagmorgen. Die Chance, sich mitanderen auszutauschen, Mitarbeitende nach ihrer Meinung zu fragen und Dinge zu hinterfragen, macht eine Freizeit für mich besonders attraktiv und wertvoll.

WEITERKOMMEN IM GLAUBEN

Durch die intensive Beschäftigung mit einem Thema odereinem biblischen Buch wird man natürlich auch ganz anders an Herausforderungen bzw. Glaubensschritte herangeführt. Ich formuliere das in der Freizeitausschreibung immer als „weiterkommen“. Dabei geht es nicht darum, besser oder schneller zu sein als andere oder gar eine andere, höhere Stufe des Glaubens zu erreichen. Vielmehr steckt in dem Wunsch, weiterzukommen, die Idee, eine Antwort auf eine gerade aktuelle Frage zu bekommen, seine Zweifelaussprechen zu können oder ganz neu herausgefordert zu werden, den Alltag mit Jesus zu gestalten. Das sieht bei jedem unterschiedlich aus, aber eine Freizeit bietet immer die Möglichkeit, Schritte zu gehen.

       

FRAGEN KLÄREN UND GEMEINSAMSCHRITTE GEHEN

Manchmal wird man auch mit Themen konfrontiert, über die man sich noch nie Gedanken gemacht hat oder die im Alltageinfach keinen Platz haben und vielleicht zwei, drei Anläufe brauchen. So z. B. das Thema Taufe: Während unserer diesjährigen Sommerfreizeit kamen bei einigen Teens und Jugendlichen Fragen rund um die Taufe auf: Wer darf sich taufen lassen? Ab wann darf ich? Was passiert bei der Taufe? Wahrscheinlich alles Fragen, die auch im Gemeindealltag irgendwann beantwortet werden, aber jetzt waren sie gerade da – ganz akut. Und so haben wir mit den Interessierten über Taufe nachgedacht und gesprochen. Über die Bedeutung von Taufe und unser Verständnis, das unteranderem beinhaltet, dass Taufe und Ortsgemeinde ganz eng miteinander verbunden sind. Und dann geht man eine gemeinsame Strecke miteinander und darf erleben, dass sechs junge Menschen den Entschluss getroffen haben, sich taufen zu lassen: drei Personen in ihrer Ortsgemeinde, und bei den anderen dreien war klar, dass sie keine Ortsgemeindehaben. So haben wir dann gemeinsam in Griechenlanddrei Taufen gefeiert. Freizeiten sind immer eine besondere Zeit, in denen Teilnehmende wichtige Entscheidungen treffen und Glaubensschritte gehen.

EXTERNER ZUHÖRER UND BEGLEITER

Ein weiterer Grund, warum Freizeiten für die Teilnehmenden und auch für die Mitarbeitenden besonders wertvollsein können, hängt damit zusammen, dass sich häufig nicht alle kennen. Manchmal ist es leichter, Zweifel und Sorgen mit jemandem zu teilen, den man nicht jede Woche in seiner eigenen Gemeinde sieht. Und es ist hilfreich, Glaubenswahrheiten auch mal von anderen Menschen zuhören. Sowieso ist das Verhältnis zwischen Teilnehmenden und Mitarbeitenden während einer Freizeit etwas Besonderes. Man geht eine Wegstrecke zusammen und tut sich gegenseitig gut. Dabei handelt es sich keineswegs um eine Einbahnstraße – auch der Mitarbeitende wird durch eine Freizeit beschenkt. Teens und Jugendliche halten ihm den Spiegel vor, hinterfragen seine Glaubensgrundsätze und helfen, diese zu reflektieren.

GEMEINDE UND FREIZEITENERGÄNZEN SICH

Manchmal denkt man sich dann: Könnte nicht Gemeinde immer sein wie Freizeit?! Ich habe mich auch schon bei diesem Gedanken und Wunsch ertappt. Die Realität sieht aber anders aus und das ist auch gut so. 365 Tage Vollgas mitständig neuen Impulsen hält auf Dauer niemand aus. Und Freizeiten sollte man nicht als Konkurrenz zum Gemeindealltagsehen, sondern vielmehr als Bereicherung und gute Ergänzung. Das Schöne ist, dass von einer Freizeit nicht nur die profitieren können, die unterwegs waren. Wenn Gemeindeeinen Raum z. B. im Gottesdienst, im Gemeindebrief oder auf der Homepage bietet, wo davon berichtet werden kann, was Freizeitteilnehmende mit Jesus erlebt haben, dann können alle gemeinsam sehen, dass wir einen lebendigen und erfahrbaren Gott haben. Das ist ermutigend und hilft. Ich liebe Freizeiten, egal in welcher Form. Deshalb kann ich jedem nur empfehlen, seine eigenen Freizeiterfahrungen zu machen und sich von Gott durch diese besondere Zeitherausfordern und Gutes tun zu lassen. Dabei ist es im Übrigen egal, ob man 13 oder 66 Jahre alt ist.

JOHANNES KRUPINSKI Referent Teenager im Bund FeG

Dieser Artikel erschien zuerst in Christsein Heute 10/2019